Montag, 2. Januar 2012

Der lange Weg nach Dhulikel

Oder: Busfahrt mit Hindernissen

7.45 Uhr: Abfahrt mit Diesellücken

Das mit dem Dieselauftreiben gestern war eine Ente. Scheinbar ein Kommunikationsmissverständnis zwischen dem nepalesischen Busfahrer und uns Touris. Nein, wir haben nicht auftanken können, denn es gibt kein Diesel in Pokhara. Wir fahren los mit etwa 65 Litern im Tank. Das sollte uns weit bringen, aber nicht bis zum Zielort. Doch zwischendurch wird ja wohl Diesel aufzutreiben sein ...

8.15 Uhr: Strassenkrawalle in Pokhara
Feuer auf der Strasse. Es brennt dort, wor wir entlang müssen. Und zwar mitten auf der Strasse. Kein Unfall, aber viele Leute. Wir kommen näher und sehen, dass es brennende Autoreifen sind. Strassensperren von Protestierenden. Polizei im Anmarsch. Bus fährt langsam weiter ... wir kommen vorbei, bevor die Strasse möglicherweise komplett versperrt wird.

Der Protest richtet sich wohl gegen die korrupte Regierung bzw. die lokalen Instanzen, die bei einem tragischen Verkehrsunfall am Vortag den Schuldigen ungestraft haben entkommen lassen.

Kaum haben wir die brennenden Autoreifen passiert, steht der Bus wieder. Denn vor uns sind Demonstranten schon wieder dabei, Autoreifen in Position zu bringen und anzuzünden. Wir stehen genau im Korridor dazwischen. Interessanterweise genau an einem Markt, so dass unsere souvenir- und knipsfreudige Ute tatsächlich aussteigt und in aller Ruhe ein paar ihrer wie immer sehr schönen Fotos macht. Wir Übrige bevorzugen es, im Bus hocken zu bleiben. Mir gehen die Sicherheitshinweise zu Nepal nicht aus dem Kopf ... "halten Sie sich von Menschenansammlungen und Protesten fern". Aber was sollen wir anderes machen als zu warten? Nicht lange jedoch, und wir passieren auch die zweite Brandstelle und sind bald raus aus Pokhara. Was ein Glück!

8.30 Uhr: Leere Tankstellen
Allerdings ist unsere Diesel-Situation unverändert. Und jede Tankstelle auch ausserhalb von Pokhara ist geschlossen, oder zumindest die Diesel-Zapfsäulen sind als leer markiert. Doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Wir wissen, dass es Dieselreserven geben muss. Einzelne Tankstellen fahren wir an, um mit dem Pächter zu verhandeln. So hätten wir an einer Tankstelle beinahe die Unmenge von sechs Litern Diesel gekriegt. Wenn da nicht der stolze Besitzer sein Angebot zurückgezogen hätte, als unsere Leute beim Handel sagten, sie würden einen höheren Preis zahlen, wenn er uns mehr Stoff gebe. Nein, so nicht - wir kriegen kein Diesel nicht!

Die Dieselsuche kostet uns Zeit. Denn wir sollten bei den nepalesischen Verkehrsverhältnissen besser vor Dunkelheit in Dhulikel ankommen.

9.00 Uhr: Klare Ansage
"This is a clear instruction", sagt Reiseleiter Frank sehr deutlich am Ende des Telefonats, das er soeben mit der Partneragentur in Kathmandu geführt hat. Die Lösung des Dieselproblems ist gefunden: Ein Mitarbeiter hat den Auftrag erhalten, Diesel aufzutreiben, sich ein Auto zu schnappen und uns entgegenzufahren.

Unser Busfahrer darf ab jetzt keine Tankstelle mehr anfahren, was ihm sichtlich schwerfällt. Wie gerne würde er seinem Bus ein paar Liter Diesel verabreichen.

10.05 Uhr: Strassenblockade in einem Dorf
Nächster Programmpunkt: In einem Dorf steht der Verkehr still. Es wird gestreikt im ganzen Land an diesem Samstag - wohl überall ein bisschen, aus verschiedenen Gründen gegen die maoistische Regierung. Glück im Unglück, dass Privatautos und Touristenbusse hier weiterfahren dürfen ... wir fahren flugs an all den stehenden Autos, Motrorrädern, lokalen Bussen und LKW vorbei.

Freie Fahrt nun endlich, und noch dazu weniger LKW und Busse auf den Strassen als üblich, weil ganz viele irgendwo festhängen. Yeah!

12.15 Uhr: Unfall mit Fahrerflucht
Weiter gehen die Schikanen. Wir stehen wieder mal still. Ein langer Rückstau hat sich gebildet. Wir finden raus raus, dass es einen Unfall gab, bei dem ein Motorradfahrer getötet wurde und der Fahrer Unfallflucht begangen hat. Wie lange mag das hier nun dauern? Wir steigen aus dem Bus für einen kleinen Spaziergang.

Ab jetzt wird an Plan B und C für den Silvesterabend gearbeitet. Party im Bus? Wir empfinden den Tag durchaus als Abenteuer. Das Gute hier am Stau gerade ist, dass es entlang der Strasse Verpflegungsstationen gibt. Verhungern und verdursten müssen wir also nicht - als da, unser nepalesischer Begleiter uns Zeichen gibt, zurück zum Bus zu gehen. Die Ambulanz ist gekommen, der Stau löst sich auf. Es geht weiter!

Und nicht nur das, Reiseleiter kündigt an, dass uns das Diesel bereits beim Mittags-Stopp erwartet ...

13.45 Uhr: Diesel zum Mittagessen
Halleluja, da steht er, der PKW mit einem riesigen Kanister drin: 40 Liter frisches Diesel! Allgemeines Strahlen mit anschliessendem Mittagessen in der Sonne. Später hören wir, dass es tatsächlich auch in Kathmandu kein Diesel mehr gibt. Die Jungs von der Agentur haben die heiligen 40 Liter aus den Vorräten einer Spedition aufgetrieben ... Auftrag klar ausgeführt!

Wunder oh Wunder, ab jetzt geht's störungsfrei weiter.

17.30 Uhr: Ankunft in Dhulikel
Bereits Kathmandu zeigt sich uns bei blauem Himmel und ohne Dunst. Auf dem Weg weiter nach Dhulikel bewundern wir das Himalaya-Panorama im Hintergrund. Ankunft in der Abenddämmerung in unserer Lodge, wo wir noch einen Blick erhaschen auf die prächtige Bergkulisse an diesem letzten Abend des Jahres 2011.

19.30 Uhr - Mitternacht: New Year Party
Bereits zum Abendessen ist der Rotwein weggetrunken. So viele Leute zu Silvester hier in der Lodge waren wohl kaum eingeplant. Dann also ab zur grossangelegten Silvesterparty nebenan mit DJ Ohrenbetäubend und Lagerfeuern im Freien. Problem: Die Party ist "all inclusive", und die Nepalesen haben bereits alles leer getrunken, was griffbereit war - inkl. dem für uns reservierten Silvestersekt.

Doch gemütlicher ist's sowieso in der Lodge drinnen rund um den Kamin, wo wir dann unsererseits die letzen Reste der Bar wegtrinken. Es gibt gut improvisierte Drinks - Barmixer ist der Reiseleiter persönlich, denn der Barkeeper hat sich betrunken und ist verschwunden. Irgendwann taucht er dann guter Dinge wieder auf und tanzt mit mir zu original nepalesischer Musik ...

Um Mitternacht stossen wir mit einem Glas Wasser an - was willste machen unter diesen Umständen. Hauptsache anstossen. Happy New Year!

Nachtrag zum Diesel:
Nepal wird erst am nächsten Tag mit Diesel beliefert. Es bilden sich brutal lange Schlangen vor den Tankstellen. Ungeduld hat keine Chance!


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