Samstag, 24. Dezember 2011

Viele Götter und ein Weihnachtsmann

Mit dem Bus hoch auf einen Hügel bei Kathmandu. UNESCO-Weltkulturerbe und so etwas wie ein Wahrzeichen der Stadt: die Stupa von Swayambhunath. Was eine Stupa ist, hab ich noch nicht komplett verstanden. Ein Heiligtum auf jeden Fall, die heute gesehene Stupa ist einer der heiligsten Orte des Kathmandu-Tals. Weniger heilig sind all die Affen, die dort herumtollen. Daher auch der Name "Monkey Temple".

Die nepalesischen Namen kann ich mir nicht merken. Kann man sie sich merken? All die hinduistischen Götter, die Reiseleiter Frank uns vorstellt, leider auch nicht. Ausser dem Elefantengott, der auch Glück bringt. Ganesh heisst er und wird in mannigfaltiger Form an den Dutzenden Souvenirläden hier oben verkauft. Doch Konzentration auf die Stupa, die ja buddhistisch ist, und deren 13 Stufen nach oben zur Spitze und ins Nirvana führen. Sinnbild des höchsten religiösen Zieles. Drumrum viel Symbolhaftes, das ich erst mal für mich sortieren muss. Völlig neu und beeindruckend sind zum Beispiel die Gebetsmühlen (Foto), die von den Gläubigern beim Umrunden der Stupa (im Uhrzeigersinn) gedreht werden. Man kann sich nicht sattsehen an dem Treiben hier oben und an all den Farben. Der buddhistische Mönch auf dem Foto begleitet vier Frauen in wunderschönen Trachten - aus der Mongolei sind sie angereist zu diesem buddhistischen Heiligtum.

Es wird immer wärmer, die Sonne scheint, und hier oben entgehen wir für eine Weile dem unsäglichen Smog. Was nicht heisst, dass wir den Gerüchen entgehen - wenn es hier bei der Stupa auch nur der Geruch von Räucherstäbchen ist. Runter und zurück geht's über eine steile 365 stufige Treppe zum Bus und ab ins Chaos von Kathmandu. Millionenstadt mit Verkehr, Krach, Staub und vielen Menschen. Unser Ziel ist das historische Zentrum der Stadt, der Durbar Square.

An diesem späten Vormittag nach Räucherstäbchen, Motorrad- und Autoabgasen, Verdünnungsmittelgeruch und Fischgestank verbunden mit dem wichtigsten, was hiesige Verkehrsmittel zu bieten haben - der Hupe in jeglicher Form und mit schrillstem Klingelgedöns - kann ich nur sagen: Ich lechze nach der Mittagspause! Hoch oben auf der Dachterrasse eines Restaurants fühlen wir uns wie in einer Oase der Ruhe. Mit herrlichem Blick auf einen Tempel im Pagodenstil.

Gestärkt geht's dann weiter zur Besichtigung der World Heritage Site Hanuman-dhoka Durbar Square, wo sich Tempel an Tempel reiht. Gott an Gott. Gott an auf über in Göttin, es geht munter erotisch und kamasutrisch zu auf den Holzschnitzereien ... und munter schrill aus Fleisch und Blut grinst uns ein bunt bemaltes, orange gekleidetes und gegen Geld posierendes Pärchen in die Kameras. Die Männer heissen wohl Sadhus und sind Anhänger Shivas. Würden Nina Hagen sicherlich gefallen.

Mehr ging dann nicht mehr in meinen Kopf. Ein bisschen noch auf meinen Fotoapparat. So viele Eindrücke. Die Gruppe ist froh, am Nachmittag wieder den Bus zu erklimmen und ins gar wunder-wunderschöne Hotel Dwarika's zurückzukehren. Ein Traum inmitten von Kathmandu. Dort erlebe ich dann mein erstes Weihnachtsfest fernab der Heimat und Familie. Und wer gedacht hat, man könne hier Weihnachten entfliehen, der hat sich getäuscht: Weihnachtsbäume überall, festliche Dekoration, Weihnachtslieder, Kaminfeuer an der Bar und den ganzen Tag über ja sowieso kleine und grosse Weihnachtsmänner. Heiligabend in Kathmandu. Merry Christmas!

















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