Freitag, 30. Dezember 2011

Pokhara - Fischschwanz bei Sonnenaufgang

28.12.2011
Wolken um den Fischschwanz

Vorgestern sind wir in Pokhara angekommen. Die Stadt am Phewasee ist bekannt für ihr einzigartiges Bergpanorama und für ihre entspannte Atmosphäre - gerade im Gegensatz zum Trubel von Kathmandu. Nun, die Berge haben uns alles geschenkt, was sie konnten. Die Stadt selbst darf zur Zeit wohl eher als untypisch beschrieben werden, denn es gibt gerade ein Volksfest mit Rummelplatz. Und die Nepalesen haben's gerne laut. Also nix mit Beschaulichkeit und Romantik im Moment. Aber am Wichtigsten sind allemal die Berge ...

Am Ankunftsnachmittag sind wir ein bisschen auf dem See herumgerudert worden. Doch der Berg, das Wahrzeigen von Pokhara, derjenige, nach dem unsere Lodge benannt ist ... er war trotz Sonnenscheins wolkenverhangen. Nichts ausser einer klitzekleinen Gipfelspitze war durch die Wolken zu erhaschen vom Maccapuchare, dem "nepalesischen Matterhorn". Übersetzt heisst er "Fischschwanz", weil er eine Doppelspitze hat, wie ein Fischschwanz.

So stand der Tag stärker im Zeichen des Sees, des Rummels und vor allem des überdachten Flosses, mit dem wir zum Hotel gelangten. Eine faszinierende Konstruktion, denn unsere Lodge ist vom Phokara-Festland durch etwa 15 Meter Phewa-See getrennt. Und so pendelt ein Floss für maximal 15 Personen hin und her den ganzen Tag. Transportiert Menschen und Koffer und sonst allerlei. Und der adrett angezogene Flossfahrer zieht das Floss an einem Seil von Seite zu Seite. Er trägt Gummistiefel und windet das Seil, an dem er sich heranzieht, in elegante Schnecken. Das etwas andere Hotel-Shuttle.

29.12.2011
Freier Blick auf Fischschwanz

Gebannt stehen wir vor dem Hotelrestaurant und starren auf die noch schneebedeckten Giganten - Sieben- und Achttausender direkt vor unserer Nase. Und sie werden uns bei der Wanderung, die wir an diesem Tag oberhalb des Begnasees machen, treu bleiben. Blauer Himmel. Wolkenlos. Doch die volle Pracht der Berge offenbart sich uns erst am folgenden Tag ...

30.12.2011
Sonnenaufgang im Himalaya

Links der Daulagiri: 8167 Meter
Dann Annapurna Süd: 7219 Meter
Und Annapurna I (im Hintergrund): 8091 Meter
Der Macchapuchare, unser nepalesisches Matterhorn: 6993 Meter
Annapurna III: 7555 Meter
Annapurna IV: 7525 Meter
Annapurna II: 7937 Meter

Das ist sie, die unvergleichliche Himalaya-Silhouette, die man von Pokhara aus sieht. Und der wir heute ein Stück näher gekommen sind. Der Preis: Aufstehen um 5.15 Uhr. Im Halbschlaf und mit leerem Magen in den Bus klettern ... durch ein dunkles Tal fahren ... hoch auf einen Berg. Es wird langsam hell. Wir steigen aus und rennen auf eine Anhöhe. Die Zeit läuft. Lauerposition. Vor uns die Bergkette. Erst grau. Dann ein rosa Wölkchen ganz rechts, und die Sonne bricht durch. Aus grau wird rosarot. Das Wunder eines jeden Tages. Ein unglaublich schönes an diesem vorletzten Tag des Jahres 2011 unweit von Pokhara. Wir klickcklicken uns wach und glücklich.

Eigentlich soll es nur eine Masala-Chai-Teepause sein. Doch die Frühstückspakete müssen dran glauben. Spontan wird im Dörfchen mit idyllischem Blick auf Bus, maoistische Bushaltestelle sowie Fischschwanz stehend gevespert. Selten hat ein Sandwich so gut geschmeckt.

Unser Spaziergang führt uns rund um das Dörfchen Naudanda. Wohin man auch schaut, es reizt zum Klickklicken - unglaublich viele, unglaublich schöne Panoramen: am Brunnen Wäsche waschende Frauen, rotznasige Kinder, bunten Kleider, Kühe, Ziegen, Hühner, Hunde, gigantische Heuballen, kleine Dorfläden, in grossen Bastkörben schaukelnde Kleinkinder, alte Männer und Frauen, korbflechtende Handwerker, fegende Hausfrauen, freundliche Einheimische. Wir saugen die Kraft der Natur, die Farben des Tages und die ruhigen Momente in uns auf.

Denn anschliessend heisst es, sich der (für Touristen zugegebenermassen nur mässig stressigen) nepalesischen Realität zu stellen: Es vergeht bereits der zweite Tag, an dem unser Bus sein Diesel nicht kriegt. Sprich, es ist kein Nachschub an Treibstoff aus Indien nach Pokhara gekommen. Die Tankstellen sind entweder geschlossen, oder der Sprit wird gehortet für lokale Busse. Oder auch einfach der Preis hochgetrieben. Wir brauchen frisches Diesel für die lange Fahrt morgen.

Zurück in unserer Lodge staunen wir über die Wunder des heutigen Tages:
(1) Spontanheilung einer erkrankten Mitreisenden durch Ohrauflegen des Reiseleiters. Die genauen Umstände sind unklar. Tatsache ist, dass die wilde 72jährige Hilde nach des deutlich jüngeren Herren Besuchs mit Ohrauflegen spontan vom Virus genesen zu sein scheint. Ihre Tochter, die den genauen Hergang bezeugen könnte, schweigt.
(2) Oben ohne über den Wolken. Drei Reisende haben es gewagt, in einem Ulta-Leichtflugzeug gen Annapurna zu fliegen. Jeder jeweils in einem Flieger allein mit dem Piloten (im Nikolauskostüm), sie selbst im Ganzkörperanzug und trotzdem frierend, weil sie ab der Taille im Freien sassen. In geschätzt 2000 Meter über den Wolken, luftig also. Aber es soll wunderschön gewesen sein ...; die beiden Fliegerfotos wurden von den Abenteurern zur Verfügung gestellt.
(3) Der Tank ist wieder voll. Unser Busfahrer strahlt, als wir ihm dazu gratulieren, dass er die Heldentat vollbracht und Diesel aufgetrieben hat.

Morgen geht's ab zur "Silvesterparty "in Dhulikel nach zehn Stunden Busfahrt für 260 Kilometer.






































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