Sonntag, 7. November 2010

Halloween












Baby Class

Mein zweiter Donnerstag in der Baby Class. Raus geht's mit ihnen auf den Fussballplatz zum Austoben. Und dann rein zum Legospielen. Anschliessend regiert das Chaos, darf aber auch mal sein. Beim Pausenkuchen sind sie Engelchen. Auf dem Spielplatz versuche ich anschliessend, sie zu bändigen. Mission Impossible. Wir lassen sie rumtoben und passen bloss auf, dass kein Unfall passiert, wo so viel Energie umgesetzt wird.

Ant Eaters

Der ganze Weg vor dem Hauptgebäude ist am Donnerstagmorgen voller kleiner, transparenter Flügelchen ... sie sind überall. Dazwischen grosse Ameisen, die diese Flügelchen abgeworfen haben und wohl am Sterben sind. Ich hole mein Trinkwasser am Brunnen und geh schnell wieder ins Haus. Nicht sicher, ob ich wissen will, was hier in der Nacht passiert ist.

Dann kommen die Kinder. Mit Plastikschüsseln bewaffnet. Die Kids bücken sich ... und sammeln etwas ein in ihr Schüsselchen. Nein. Ich mag es nicht glauben. Aber ich erfahre es: Die Ameisen sind eine Delikatesse. Jetzt, zu dieser Jahreszeit. Frittiert, aber manche essen sie auch roh - zum Beispiel Kinder am nächsten Morgen auf dem Schulweg. Nicht drüber nachdenken, ich guck einfach weg.

Mangomonster

Sprechende Bäume? Kinder sitzen in den Mangobäumen und pflücken die reifen Früchte. Saftig-frische Mangos. Ein klitzekleines Stück vom Paradies.

... und zum Nachtisch von der Original-"Lindor" naschen, die gestern per Post aus der Schweiz angekommen ist ... auf der Zunge zergehen lassen ... himmlisch!


Das allererste Halloween

Um wenige Tage verschoben, sollte Halloween bei Kids of Africa am ersten Novemberfreitag stattfinden. Pro Haus erwarben Waida und ich einen Kürbis, der elfte Kürbis wurde von Tasha und Toby zum Musterexemplar bearbeitet. Und dann zogen wir los in die Häuser, wo die grossen Kinder zum ersten Mal in ihrem Leben einen Kürbis aushöhlen und druchlöchern durften. Und dort, wo nur kleine Menschen regierten, haben wir Volontäre dann Hand an den Kürbis gelegt und die Gesichter geschnitzt. Das war denn doch was Neues, und die Kinder fanden's cool. Die Mütter wussten eher nicht, was sie von diesen Musungu-Spielchen halten sollten, doch sie machten gute Miene zum bösen Spiel. Und es sollte ja noch viel doller kommen.

Angekündigt hatten wir nur, dass die Volontäre bei Dunkelheit nochmals die Häuser besuchen würden. Und bitte nicht vergessen, den Hauskürbis draussen hinstellen und die Kerze anzünden!

Derweil herrschte im Hauptgebäude rege Betriebsamkeit, denn zu Halloween gehört eine Verkleidung. Und möglichst eine schreckliche, eine erschreckende. So erschien Toby kurzerhand mit dem Baströckchen als Kopfputz und war nicht wiederzuerkennen. Tasha, grün angemalt, hatte sich die Röckchen der kleinen Tänzerinnen vom Geburtstagsfest flamencokleidähnlich umgebunden. Die einfachste und zugleich furchterregendste Maske hat Junias T-Shirt mit zwei Löchern für die Augen abgegeben: Drüber einfach nur ihre Rastalocken, und fertig war das Hui-Bu-Schlossgespenst. Christan sah entzückend aus in ihrer All-Nations-Schuluniform - wenigstens eine, deren Gesicht klar wiederzuerkennen war. Ich hatte mich kurzerhand zum Banditen verwandelt - mit Hut, Sonnenbrille und Tuch vor Nase und Mund.

So pirschten wir uns also ans erste Haus ran. Durch die Scheiben sahen wir, dass die zehn Kinder mit Mummy beim Essen waren ... naja, konnten wir keine Rücksicht drauf nehmen und: "Huiiiiiii, buuuuuuuu, wuuuuuuh." rannten wir rein mit lautem Getöse und haben die Kinder erschreckt. Aber nur ganz kurz, dann die Masken weggenommen und gelacht und gelacht. Und spätestens als wir die Süssigkeiten verteilt haben, war alles wieder gut. Ein Riesen-Hallo war's, die ängstlichen wurden dann auf den Arm genommen, die grösseren Kids haben sich eh schlappgelacht. Henrietta, meine kleine Baby-Freundin hatte Angst, aber hat sich tapfer wie eine Amazone gegen die Angreifer verteidigt. Elijah-King - neugierig wie er nun mal ist, natürlich der erste an der Verandatür, um zu gucken, wer da so'n Krach macht und rein will - hat sich dann ganz schnell zur Mummy und in Sicherheit gebracht. Desire im oberen Stockbett hat sich in die Ecke gerettet und Klein-Jesse unter dem Bett versteckt. Aber eben, Süssigkeiten gab's dann für alle und grosses Gelächter.

Bei den letzten Häusern hat man uns dann bereits erwartet, wie Schneewittchens Zwerge sassen sie in Reih und Glied auf ihren kleinen Plastikstühlchen und grinsend vor dem Haus, weil gewisse Pyjama-Monster die Botschaft von den vier schrecklichen Spukgestalten bereits von Haus zu Haus getragen hatten.

Es gab Anfragen am nächsten Tag, ob wir in der Nacht wiederkommen würden ...

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