










Auge
Drei Monate lang war ich topfit. Letzte Woche hatte ich dann eine ordentliche Erkältung - kein Wunder, jedes zweite Kind hier hat Schnupfen - und seit Samstag ist eine Augenentzuendung hinzugekommen, die sich gerade zu einem saftigen Gerstenkorn entwickelt. Diese Diagnose wurde sofort von meinem Augenarzt in Zürich gestellt, der mich per Mail therapiert. Mein Medizinkoffer ist im Einsatz, ich wurde gut ausgerüstet, so wie's aussieht.
Ich hatte als Kind häufig ein Gerstenkorn, lange Zeit her. Ich finde es sehr unangenehm. Jedenfalls laufe ich hier nur mit Sonnenbrille rum. Und kann leider noch einige Zeit in Anspruch nehmen, so ein Gerstenkorn.
Genug gejammert. Auf jeden Fall bin ich deshalb und wegen einiger technischer Probleme (Internet- bzw. Stromausfälle sowie durchgeschmortes Laptopkabel) mit dem Blog in Verzug. Und dabei war doch einiges los in der letzten Woche.
Visa
Eine weitere, tendenziell mühsame Angelegenheit der letzten Woche war die Visaverlängerung, die für Christan und mich nach drei Monaten fällig wurde. Ein erster Besuch beim Immigration Office in Kampala am vergangenen Mittwoch in Begleitung der guten Seele Florence von Kids of Africa liess uns erfahren, welche Dokumente wir brauchen. Der zweite Besuch stellte dann die Uebergabe eben jener Dokumente an eine Vertrauensperson beim Amt dar - gleichzeitig mussten wir natürlich unsere Pässe dort lassen ... und heut hab ich ihn abgeholt. Problemlos und kostenfrei mit der gewunschten Verlängerung bis Ende November.
Reisen nach Kampala
Jede Fahrt nach Kampala ist ja eine (Tor-)Tour. Denn obwohl es nur an die zwanzig Kilometer sind, landet man immer ausser am Sonntagmorgen in einem Stau und braucht viel Zeit bzw. Geduld. Bei unserem zweiten Immigration Office Besuch fuhr unsere Krankenschwester Sammy mit nach Kampala, gemeinsam mit drei Kids, kleinen Mädels, die alle HIV-positiv sind und ins Krankenhaus zur Kontrolle mussten.
Eine Tour endete fuer Christan und mich wunschgemaess in Garden City, DER Shopping Mall von Kampala - wenn auch mehr als bescheiden im Vergleich mit Einkaufszentren, die man so kennt. Egal, das schönste an Garden City ist, abgesehen vom grandiosen Espresso, "Banana Boat", ein Laden, in dem es wunderschönes Kunsthand aus Uganda gibt (aus Bananenfasern und Kuhhorn z.B.).
Und während Nurse Sammy und Uncle Waida glücklich über ihr Mittagessen in Kampala berichteten, bei dem sie eine Spezialität aus ihrer Heimat Norduganda (ein sehr seltsames Brot) geniessen konnten, hat Christan verkündet, auch wir hätten lokales Essen zu uns genommen - der Hamburger sei schliesslich ihre lokale US-Spezialität. Wir nennen es eigentlich "Musungu-Food", so sehr wir uns an Matoke und Süsskartoffeln gewoehnt haben, tut's doch gut, ab und an mal wieder westliche Gerichte zu essen ...
Das Buch, Dein Freund
Dorte hatte vorgeschlagen, die neuen Buecher fuer die All Nations Bibliothek kurz mit unseren Kindern von Kids anzusehen. Hab ich an einem Nachmittag gemacht. Hauptbeschäftigung war, ihnen beizubringen, wie man die Seiten umblättert "Zwei Finger, Moses ... zwei Finger, schau, so! Sheila, guck wie Dein Buch schon aussieht, zwei Finger! ... genau so, Annette, Du machst das ganz toll!"
Tage nennt mich kurzzeitig den General, weil ich streng mit ihnen beim Seitenumblättern bin. Und trotzdem, man sieht genau, welche Bücher sie in der Hand hatten. Ein ganz süsses Tierbuch haben sie schon gefetzt, und so beschliesse ich, keine Experimente mehr mit unseren Kids zu machen, sondern die Bücher schnurstracks direkt in die All Nations Bibliothek zu bringen.
Sarah
Sarah ist gestorben, eine junge Frau, Angestellte bei Kids of Africa. Die Tochter des wunderbaren und beliebten Schweinehirten Christopher. Sarah hatte Aids.
Rebeccas Baby
Kindergärtnerin Rebecca hat ein Baby zur Welt gebracht. Eine Tochter, Name noch nicht bekannt.
Baby Class
Während Rebeccas Mutterschaftsurlaub helfen wir abwechselnd in der Babyclass. Teacher Zuleika ist immer dort, die andern Lehrer sowie Tasha und ich je einen Tag. Am Donnerstag war ich dran und hab die meiste Zeit damit verbracht, den Babies die Rotznasen abzuwischen. Dann haben wir gemalt. Je ein Baby wurde mit dem Pinsel bewaffnet und los ging's. Meist hat der Pinsel mit den Babies gemacht, was er wollte - fasziniert haben die Kleinen dem Pinsel nachgeguckt. Das ein oder andere Baby hatte den Dreh aber schon ganz gut raus.
Moses
Moses ist der Bruder von meinem Schatz Elijah-King und der smarten Aisha. Er ist eines von acht Kindern in Haus 3, das von Mamma Jocelyn ("Mamma Matoke") "bemuttert" wird. Ich habe etwa zwei Monate gebraucht, um Moses zu entdecken. Denn er ist ruhiger und weniger präsent als seine beiden allgegenwäertigen oben erwähnten Geschwister.
Moses gehört zur Truppe der Schulkinder. Und er ist nie derjenige, der eine Volontärshand ergreift, nein, er und sein Freund Kisake (Code Name "Double Trouble" oder auch "The Terrible Two") laufen bzw. rennen immer allein und unabhängig zwischen uns grossen Personen rum. Händchenhalten is nicht, wenn man so an die sechs Jahre alt ist ...
Letzte Woche waren Double Trouble und einige andere mit mir in der Bibliothek von Kids of Africa. Und als das Chaos gross genug und meine Nerven am Ende waren, hab ich die Bücherei geschlosssen, und Moses musste rausgetragen werden ... müde und quengelig. Woraufhin er angefangen hat zu weinen. Hatte ich ja noch nicht erlebt. Was macht frau, wenn ihr Süsser weint? Sie nimmt ihn in den Arm. Was macht Kind, wenn es am späten Nachmittag weich gebettet auf einem Schoss sitzt? Es schläft leise schnurrend ein. Soweit, so gut. Sass ich halt mit Kisake und Aisha auf der Treppe mit Blick auf den Garten, und wir haben uns unterhalten. Derweil wollte Moses nicht wach werden, so dass ich ihn zur Ersatz-Mummy Patience gebracht habe - Mummy Jocelyn ist in den Ferien.
Das Meeting fand in der Wäscherei statt, wo Aisha direkt einen heissen Strip hinlegte, denn ihre Klamotten, Unterhose ausgenommen, wurden allesamt direkt in die Waschmaschine befördert. Ein witziger Moment. Und so hab ich Moses mal auf eine der Waschmaschinen gesetzt, damit er zu sich komt und ich mich verabschieden konnte.
Und dann beginnt der kleine Mann zu weinen ... und guckt mich an. Und allsämtliche Mutterinstinkte in mir werden erweckt. Ein ganz inniger Moment, als ich den kleinen Moses wieder in meine Arme genommen hab. Ich wusste nicht, ob er mir irgendwas vormacht, es war sowieso egal. In diesem Moment hab ich nur gedacht, dass - so gut es den Kindern bei Kids of Africa geht - ein jedes Kind eines von acht oder zehn Kindern ist. Die Mütter können nicht jedem Kind die volle Portion Liebe geben. Und mein kleiner Moses brauchte wohl in diesem Moemnt ein bisschen Wärme. Die hab ich ihm doch gerne gegeben und ihn sachte zurück in Haus 3 gebracht und ins Bett gelegt, wo erfriedlich weitergeschlafen hat.
Teacher Waida
Ich sitze am Morgen am PC im Kids-of-Africa-Büro, und es wird laut und lauter draussen. Ich drehe mein Gesicht zum Fenster und kann mich nur wundern: All unsere Kinder sitzen in Reih und Glied auf dem Bordstein und blicken erwartungsvoll auf Onkel Waida, den Fahrer, den grossen Mann, der ihnen irgendwas vom Gipskrieg erzählt ...
Beeindruckend, dass dieser Mann es schafft, die Rasselbande zu bändigen. Ich weiss, mir würden sie nie gehorchen. Neugierig geh ich nach unten und schau mir das Spekatakel aus der Nähe an. Scheinbar hat Waida die Leitung uebernommen, weil der Bus mit den Lehrern verspätet und noch nicht eingetroffen ist. Er erzählt von Ben's Beach und vom Autofahren. Sie hängen an den Lippen ihres geliebten Uncle Waida. Bis dann die Lehrer einlaufen und das Entertainment übernehmen.
Malstunde in Haus 3
Lehrer und Volontaere haben seit einiger Zeit die Aufgabe, sich individuell um einzelne Häuser zu kümmern. Nachmittagsaktivitäten mit Kids und den Müttern. Wie schön, dass mir ohne mein Zutun Haus 3 zugewiesen wurde. Und letzte Woche bin ich mit Wasserfarben, Pinseln und Papier bewaffnet zu Aisha & Co. marschiert.
Es war ein herrlicher Freitagnachmittag und viel schöner, draussen auf der Veranda zu malen. Hat allen grossen Spass gemacht. Soviel Spass, dass es auch andern Kindern aufgefallen ist, die natürlich neugierig zu uns kamen und die Köpfe zwischen die Gitterstäbe der Veranda gesteckt haben ... nein, Ihr Süssen, wir malen nur hier, in Eurem Haus werden andere Aktivitäten gemacht. Okay, die grossen Kinder dürfen mit hier hoch auf die Veranda. Lasst uns gemeinsam malen ...
Jessca
Florence ist stellvertretende Direktorin bei Kids of Africa und eine wunderbare, hilfsbereite Frau. Am Samstag kam sie arbeiten und hat anschliessend alle anwesenden Volontäre, vier an der Zahl, in ihr Auto gesetzt und uns mitgenommen nach Kampala, wo sie lebt. Mit einem Arzt verheiratet, wohnt sie in einem wirklich schönen Haus. Aber das Besondere ist Baby Jessca. Habe ja in den letzten Monaten einige süsse Babies gesehen, aber diese Kleine ... sie ist Florences drittes Kind und hat zwei grosse, grosse Brueder, die bereits fast fertig mit der Schule sind.
Ziel unseres Kampala-Ausflugs unter Leitung von Toby war die Besichtigung der Bahai-Kirche. Die Bahai ist eine mir unbekannte Religion. Sie akzeptiert 9 verschiedene Religionen, solange an einen Gott geblaubt wird. Und in jedem Kontinent gibt es eine grosse Kirche. In Europa steht diese Kirche wohl in Frankfurt - hab noch nie was davon gehört. Und auf dem afrikanischen Kontinent wurde die Kirche eben in Kampala gebaut. Ein schönes Gebaeude auf einem grünen Huegel oberhalb der Stadt. Zwei Hochzeitsgesellschaften kamen vorbei, während wir mit dem Bahai-Guide gesprochen haben, um Fotos des Brautpaare sowie der Brautjungfern und Blumenkinder zu machen.
Anschliessend sind wir mit dem Taxi-Bus runter und rein in die Stadt gefahren und auf einen Markt gegangen. Der Abend endete dann im indischen Restaurant mit einem wunderbaren Curry. Niemand hat das Krokodil-Steak essen wollen.
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